freiheit für kurdistan

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GAP- ALS AUFSTANDSBEKÄMPFUNG

Mit dem "Masterplan" wurde auch zum ersten Mal für kurdisches Gebiet eine ausführliche Datenbank über soziale, politische und religiöse Strukturen angelegt. Dadurch wird auch eine andere Stoßrichtung des "GAP- Projekts" deutlich; denn mit dem umfangreichen Material kann die immer mehr in die Enge getriebene türkische Regierung bzw. Regime "Low Intensity Warfare"- Strategien entwickeln, einen Kampf gegen die Menschen und gegen die kurdische Befreiungsbewegung, mit ökonomischen und sozialen Maßnahmen führen. Hauptinteresse dürfte auf der Loyalität der Bevölkerung gegenüber der türkischen Kolonialmacht liegen. Mit anderen Worten ausgedrückt : Welche Bevölkerungsteile sind als abtrünnig zu bezeichnen, weil sie mit der PKK sympathisieren oder sie unterstützen?

Das "GAP- Projekt" bietet aus der Sicht der türkischen Kolonialmacht und der imperialistischen Mächte in Europa und den USA hervorragende Möglichkeiten durch eine radikale soziale Umwälzung, den Befreiungskampf den Boden zu entziehen, um Kurdistan bzw. die kurdischen Gebiete nach ihren Interessen zu "befrieden".

Mit GAP, d.h. mit einer exportorientierten Agrarpolitik, Energiepolitik (Ziel soll dabei auch sein, dass der Kaukasus und Teile der zentralasiatischen Republiken mit Strom beliefert werden) und der Ansiedlung komplexer Industriezentren, die miteinander verbunden werden sollen, beabsichtigt die Türkei, die militärische Besatzung mit "friedlichen", also mit entwicklungspolitischen Mitteln fortzusetzen und die Integration Kurdistans bzw. der kurdischen Gebiete in die Türkei zu festigen. Jahrzehntelang hat sie eine Strategie der wirtschaftlichen und sozialen Unterentwicklung verfolgt. Soziale, politische und kulturelle Rechte hat sie den Kurden verwehrt. Nun soll das kurdische Land zum "Brotkorb" für den Nahen Osten werden.

Die Türkei, die in sozialer Hinsicht auf der Stufe eines Entwicklungslandes steht, in wirtschaftlicher Hinsicht zu den Schwellenländern gehört, versucht durch den Aufbau einer exportfähigen Agrarindustrie und anderer Industriezweige, zu einer Industrienation aufzusteigen. Der so forcierte Anschluß an die Konkurrenzbedingungen des Weltmarktes soll ihr dabei endlich den lang ersehnten Anschluß an die Europäische Union (EU) ermöglichen.

Neben dem "GAP- Projekt" verfolgt die Türkei noch ein zweites, nicht weniger ehrgeiziges Großprojekt. Mit Hilfe eines Pipelinenetzes beabsichtigt sie, die Wasserversorgung der gesamten arabischen Halbinsel unter ihre Regie/Kontrolle zu bringen. Die stark anwachsende Wasserverknappung führt den zu den wasserärmsten Regionen gehörenden Nahen Osten an den Rand einer Katastrophe. Bereits für die Jahrtausendwende prognostizierten Wasserexperten kriegerische Auseinandersetzungen um den Rohstoff "Wasser". Da die Türkei am "Wasserhahn" der beiden Flüsse Euphrat und Tigris sitzt, darüber hinaus auch noch über andere Wasserressourcen verfügt, versucht sie sich zum Mißfallen ihrer arabischen Nachbarn, wie Syrien und der Irak, zu einer regionalen Wassersupermacht aufzuschwingen.

Nicht vergessen werden darf, dass der Projektbereich in Nordwest-Kurdistan liegt. Mit Hilfe der geplanten sozio-ökonomischen Entwicklung soll der kurdischen Befreiungsbewegung die Basis entzogen werden. Denn diese ist bzw. sind der Störfaktor. Die Attacken der kurdischen Guerilla gefährdeten hauptsächlich in den Jahren 1984 bis 1992 das Projekt, vor allem dessen östlichen Teil. Die kurdische Bewegung hat das "GAP- Projekt" noch nicht zu einem Punkt der Auseinandersetzung gemacht, obwohl es in ihren Augen eigentlich als das Kolonialprojekt par excellance gelten muß.

In den 60er Jahren plante das portugisische Kolonialregime in Mozambique den Cabora- Bassa Damm. Mit Hilfe dieses Vorhabens versuchte ein NATO-Land, durch einen Staudamm seine Herrschaft zu festigen; die europäischen Partner hofften auf größeren Einfluß in den afrikanischen Ländern. Die damalige Befreiungsbewegung Fremilo rief zu einem internationalen Boykott gegen den "Damm des Kolonialismus" auf. Durch die Proteste der Fremilio, unterstützt durch demokratische, linke, antiimperialistische und auch kirchliche Kreise, verurteilte die UNO 1969 das Verhalten Portugals. Das Verhalten dieser Kolonialmacht ähnelt dem der Türkei, ohne dass sich Widerstand regt... .